Separatisten legen in Südtirol zu

karte_regionenDie Landtagswahl vom vergangenen Sonntag in Südtirol könnte wegweisend sein. Die “Südtiroler Volkspartei” (SVP), inhaltlich vergleichbar mit der deutschen CSU, verlor mit 45,7 Prozent die seit 1948 unangefochtene Mehrheit. Das sich für eine “Europäische Region Tirol” einsetzende FPÖ-Pendant “Die Freiheitlichen” (DF) konnte mit 17,9 Prozent seinen zweiten Platz ausbauen.

In ihrem Wahlprogramm forderte die DF unter anderem einen von Italien unabhängigen “Freistaat Südtirol” als Etappe zur “Region Tirol” :

Die Autonomie war ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zu einer bleibenden Lösung für Südtirol. Als Zukunftsperspektive für Südtirol und als Friedensprojekt erachten wir hingegen einen unabhängigen Freistaat Südtirol mit allen drei Sprachgruppen auf der Grundlage des Selbstbestimmungsrechtes. Ein Freistaat ist keine Absage an die Landeseinheit, sondern ein möglicher Zwischenschritt und die Grundlage dafür.

Außerdem verlangen die Südtiroler Freiheitlichen von Rom die Abgabe aller Zuständigkeiten an die autonomen Provinzen Bozen und Trient. Zudem soll enger mit dem österreichischen Bundesland Tirol zusammengearbeitet werden. Für die italienische Zentralregierung in Rom ist das harter Tobak, vor allem angesichts der sehr mageren Ergebnisse der italienischsprachigen Parteien. Die meisten Stimmen unter ihnen erreichten die Grünen mit 8,7 Prozent, gefolgt von den Sozialdemokraten mit 6,7 Prozent. Den Status der italienischsprachigen Volksgruppe, die 23,4 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht, dürfte das weiter schwächen. Hinzu kommt: Die Prozente der italienischen Rechtsparteien, darunter die Berlusconi-Partei “Popolo della Libertà”, tendieren inzwischen fast in den Promillebereich.

Selbst hierzulande machen sich die Medien nun ernsthafte Sorgen ob der “bedenklich” erstarkenden Separatisten. So berichtet die Süddeutsche Zeitung:

Die Rechtspopulisten wollen Südtirol zu einem eigenen Staat machen, mit Österreich verbinden oder mit Nordtirol zusammenschließen. Einig sind sie sich in der Ablehnung Italiens, dem Südtirol 1920 im Vertrag von Saint-Germain zugesprochen worden war. Im Wahlkampf warb beispielsweise die Partei Süd-Tiroler Freiheit mit dem Slogan: “Süd-Tirol – Viel zu schade für Italien”.

Solche Parolen verfingen auch bei jungen Südtirolern gut, sagt Stephanie Risse, Politik-Professorin an der Universität Bozen. “Viele meiner Studenten fühlen sich von dieser Freiheitsrhetorik angezogen.” In der deutschsprachigen Jugend mache sich eine “Mia san mia”-Haltung breit, die Immigranten ebenso ausschließe wie italienische Mitbürger. Das Bedürfnis sei groß, sich als Südtiroler einzuigeln.

Ob die guten Wahlergebnisse der Südtiroler Separatisten tatsächlich für eine politische Trendwende steht, bleibt jedoch vorerst fraglich. Die SVP deutete bereits an, lieber mit den italienischen Sozialdemokraten der “Partito Democratico” koalieren zu wollen. Zeichen für einen Mentalitätswandel in Südtirol in Richtung “Europa der Regionen” ist die vergangene Landtagswahl aber allemal.

Mit dem Thema Südtirol haben wir uns auch hier auseinandergesetzt:

3 Kommentare

  1. Komisch, bei den Basken und Tibetern gab / gibt es bei den Zeitungspapier vollsudelnden Gutmenschen bedeutend mehr Verständnis für Separatismus.

  2. Schön das die Südtiroler Seperatisten zugelegt haben!
    Ich hoffe es kommt eines Tages zur Unabhängigkeit Südtirols.
    Eigentlich würde ich mir ja wünschen das Südtirol wieder ein Teil Österreichs wird, aber da Österreich von der linksradikalen SPÖ und der (scheinkonservativen) ÖVP regiert wird, wäre es besser Südtirol wird ein eigenständiges Land.

  3. Die 23,4 % ethnische Italiener in Südtirol sind nicht ganz korrekt, da sich auch fast alle Eingebürgerten (außer Deutsche und Österreicher) Albaner oder Nordafrikaner immer zur italienischen Sprachgruppe bekennen, aber das ist nicht der Punkt. Eine Wiedervereinigung mit dem österreichischen Bundesland (Nord)Tirol scheitert allein schon an der fehlenden Südtirol-Außenpolitik der Wiener Regierung. Und mal im Ernst, man gibt Deutschen einfach nichts zurück. Eher wird das Saarland französisch oder Brandenburg polnisch als das Südtirol zu Österreich kommt. Es gibt halt coole Sezessionen wie zB Kosovo, Tibet oder Tschetschenien und uncoole wie Südtirol oder Flandern.

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